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Ausgabe 01/2021

Erstellt von DGPM | |   Nachrichten

Ausgabe 01/2021 der Zeitschrift „Ärztliche Psychotherapie und Psychosomatische Medizin"

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Anmoderation M. Neises Heft 1/2021 Ärztliche Psychotherapie zum Schwerpunkt „Adipositas“
Schriftleiter: Prof. Dr. med. Stephan Herpertz, Bochum und Prof. Dr. med. Volker Köllner, Teltow

Thema und Inhalt des Heftes beziehen sich auf das Leitthema Adipositas und dessen Bedeutung in der Psychosomatik und Psychotherapie. Die Schriftleiter definieren im Editorial zunächst die Adipositas als eine Rechengröße, nämlich dem Quotienten aus Körperoberfläche und -gewicht, der Body-Mass-Index ≥ 30kg/mund gehen dann auf den evolutionsbiologischen Vorteil ein, welchen es bedeutet, Reserven bilden zu können. Erst in den letzten Jahrzehnten wurde dieser evolutionäre Vorteil zu einem Nachteil: Unter permanenten Überflussbedingungen und abnehmender körperlicher Bewegung führt er zu Überernährung und Übergewicht in allen Bevölkerungsschichten. Die verhaltensbezogenen Faktoren sind sowohl im Kontext soziokultureller Rahmenbedingungen als auch auf dem Hintergrund der individuellen Sozialisation (individuelle Lerngeschichte) zu verstehen. So hat das Essen neben der Hungersättigung offensichtlich wichtige andere Funktionen zu erfüllen, wie zum Beispiel im Rahmen der Affektregulation. Nahrungsaufnahme steht somit im Zusammenhang mit Spannungsabfuhr und dem zumindest temporären Aufschub dysphorischer Gefühle.

Im vorliegenden Heft sind interessante Arbeiten zu unterschiedlichen Aspekten der Adipositas und deren Behandlung zusammengestellt. Die psychotherapeutische Arbeit im stationären wie auch im ambulanten Setting wird in zunehmendem Maße von Patient*innen geprägt, deren Übergewicht oder Adipositas ein wichtiges Thema auch der Psychotherapie darstellt.

Das vorliegende Heft bietet eine Auswahl von sechs Beiträgen zum Thema „Adipositas“, die die folgenden Schwerpunkte setzen:

  • Der erste Beitrag von Hannah Kohler et al. geht ein auf die Definition, die Ätiologie und die Epidemiologie der Adipositas und vertieft das Thema »Weight Maintenance«. Diese mittlerweile international anerkannte Bezeichnung zielt auf die eigentliche Herausforderung ab, das reduzierte Körpergewicht auch nach der Gewichtsreduktionsmaßnahme zu halten.
  • Die Autorin Nicola Blazynski richtet ihr Augenmerk insbesondere auf digitale Medien wie videobasierte Therapien (vornehmlich im Gruppensetting) oder Apps.
  • Marcus May und Jens Jordan gehen in ihrem Artikel auf die Möglichkeiten und Grenzen einer medikamentösen Behandlung der Adipositas ein.
  • Sandra Becker et al. zeichnen psychotherapeutische Behandlungsmöglichkeiten, insbesondere der psychischen komorbiden Störungen der Adipositas auf.
  • Der BingeEating-Störung, die in der Regel mit Übergewicht und Adipositas einhergeht, widmen sich Mona Voges et al., indem sie sowohl auf die klinischen Besonderheiten dieser Essstörung als auch auf deren Behandlung eingehen.
  • Nicht zuletzt in Anbetracht der unzureichenden Therapieerfolge der konservativen Therapie der Adipositas, insbesondere bei Grad 2 (BMI 35– 39,9kg/m2) und Grad 3 (BMI > 40kg/ m2) hat die AdipositasChirurgie in den letzten Jahrzehnten eine große Bedeutung erlangt, worauf Verena Hagena und Stephan Herpertz im letzten Beitrag des Themenschwerpunkts eingehen.

Es folgt ein Beitrag von Matthias Franz und Dirk Rampoldt, in dem ein Projekt aus dem Bereich Prävention in der Psychosomatik vorgestellt wird: Alleinerziehende Mütter und Väter sind erheblichen psychosozialen und gesundheitlichen Erkrankungsrisiken ausgesetzt, die sie wiederum an ihre Kinder weitergeben können. Die Arbeitsgruppe um Matthias Franz in Düsseldorf hat deshalb das bindungstheoretisch und entwicklungspsychologisch fundierte Programm »wir2« erarbeitet, das gerade im Rahmen mehrerer Forschungsprojekte sowohl im ambulanten als auch im stationären Setting evaluiert wird.

In „Favas-Feder“ greift Giovanni Fava mehrere aktuelle Aspekte auf: die Covid-19-Pandemie mit ihren Auswirkungen auf unsere Patienten und uns selbst, die Arbeitsbedingungen in der Pflege und die Chance, in der Psychosomatischen Praxis Patient*innen über Jahrzehnte zu begleiten, sodass sie zu „Mitreisenden durch die Zeitläufte“ werden. Hierdurch entsteht im Unterschied zum distanziert psychopathologischen Blick eine Begegnung auf Augenhöhe, die aus sich heraus ein hohes salutogenes Potenzial hat.

Es folgen drei Buchbesprechungen zu Schriften aus der Psychosomatik allgemein und speziell der Psychokardiologie sowie einem Krimi mit psychosomatischem Bezug. Der Ausblick auf das Heft 2/2021 kündigt den Schwerpunkt „Sprechende Medizin“ an.

Den Abschluss bilden die ausführlichen Mitteilungen aus den Fachgesellschaften: DGPM, VPK und BPM. An dieser Stelle sei daraufhin gewiesen, dass das Editorial und die Verbandsnachrichten frei zugänglich sind unter folgendem Link: https://elibrary.klett-cotta.de/journal/aep/16/1

Die Schriftleitung zusammen mit den Autorinnen und Autoren wünscht allen Leser*Innen eine anregende Lektüre und viele Impulse für ihre Behandlungen. Für das Jahr 2021, das mit neuen Herausforderungen beginnt, wünschen wir Ihnen Resilienz und Optimismus-Strategien.

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AEP 01/2021
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