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Studie: Stimmfrequenz und Cortisolspiegel als Vorhersagefaktor für Scheitern der Beziehung

Erstellt von Juliane Pfeiffer | |   Nachrichten

Je emotionaler die Konflikte, desto höher das Trennungsrisiko

Potsdam, März 2016 - Sehr emotional ausgetragene Konflikte mit erhobener Stimme können in einer Partnerschaft auf eine baldige Trennung oder Scheidung hindeuten. Dies gilt jedenfalls für Frauen. Bei Männern ist ein erhöhter Spiegel des Stresshormons Cortisol während des Ehestreits ein möglicher Hinweis auf ein bevorstehendes Scheitern der Beziehung. Dies ergab eine aktuelle Langzeitstudie, in der Wissenschaftler untersuchten, inwieweit Parameter wie Stimmfrequenz, Blutdruck oder Cortisolspiegel Trennungen Vorhersagen können. Auf der Pressekonferenz des Deutschen Kongresses für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie werden Experten über die Untersuchung berichten. Sie erörtern auch, wie sich das Risiko einer Trennung verringern lässt.

Professor em. Dr. phil. habil. Kurt Hahlweg, Professor für Klinische Psychologie, Psychotherapie Lmd Diagnostik an der Technischen Universität Braunschweig und seine Mitautoren werteten für die Untersuchung eine Reihe von Parametern im Hinblick auf ihre Vorhersagekraft von Trennung und Scheidung aus. Dazu gehörten unter anderem physiologische Werte wie Blutdruck, Puls, Cortisolspiegel und Sprachgrundfrequenz. Diese waren in den 1990er Jahren bei Paaren, die an einem partnerschaftlichen Lernprogramm teilnahmen, erhoben worden. Außerdem mussten die Paare Fragebögen zu ihrem Konfiikt- und Kommunikationsverhalten ausfiillen. Auch Videoaufzeichnungen von Streitsituationen wurden angefertigt. Elf Jahre später hatten sich von den 68 Paaren etwa ein Drittel, 32,5 Prozent, scheiden lassen. Als einzig si gnifikanter Prädiktor, also Vorhersagefaktor für Trennung oder Scheidung, zeigte sich in der Studie bei Frauen die Sprachgrundfrequenz und bei Männem eine erhöhte Cortisol-Ausschüttung in Konfliktsituationen. „Parameter wie Sprachgrundfrequenz und Coıtisol-Ausschüttung sind wichtige Indizes emotionaler Erregung“, erklärt Hahlweg. Erhöhte Weite bei diesen Parametern deuten darauf hin, dass Konflikte emotional ausgetragen werden, so der Experte. „Die Ergebnisse bestätigen, wie wichtig es fiir die Stabilität einer Beziehung ist, dass Konfiikte nicht zu häufig zu emotional ausgetragen werden.“ Die Studie ist die weltweit erste, die sowohl physiologische Parameter als auch das Kommunikationsverhalten über einen so langen Zeitraum hinsichtlich ihrer Vorhersagekraft bezüglich Scheidung und Trennung untersuchte. Weitere Forschungen müssen diese Erkenntnisse nun erweitern.

In Deutschland scheitern etwa 35 Prozent der Ehen. „Dies belastet nicht nur die unmittelbar Betroffenen und ihre Kinder“, so Hahlweg. „Betrachtet man allein die gesundheitlichen Auswirkungen familiärer Konflikte hat dies auch soziale und ökonomische Folgen“. Einer frühzeitigen Prävention kommt daher große Bedeutung zu. Ein Angebot ist beispielsweise das sogenannte EPL-Programm - das „Partnerschaftliche Lernprogramm“. Darin trainieren Paare unter anderem den Umgang mit Konflikten und eine auf Problemlösung ausgerichtete Kommunikation.

Hahlweg hat den Erfolg des Programms untersucht. Ergebnis: Die Wahrscheinlichkeit, zusammenzubleiben, ist bei Paaren, die das Training absolviert haben, doppelt so hoch wie bei Paaren ohne ein solches Training. Verschiedene Studien mit Paaren, die zwischen elf und 25 Jahre lang verheiratet Waren, bestätigen dies. Keine signifikanten Unterschiede gab es allerdings bei Langzeitpaaren mit und ohne EPL-Erfahrung in Bezug auf die Zufriedenheit mit der Beziehung: Zwischen 75 und 81 Prozent derjenigen, deren Partnerschaft mehr als 20 Jahre Bestand hatte, äußerten sich zufrieden mit ihrer Beziehung - auch unter denjenigen, die nicht an einem EPL- Programm teilgenommen hatten. Hahlweg zieht daraus den Schluss: „Paare, die es mehr als 20 Jahre miteinander ausgehalterı haben, sind zum Großteil auch glücklich miteinander.“

Das Thema „Beziehung und Gesundheit“ ist in diesem Jahr Rahmenthema des Deutschen Kongresses fiír Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, der vom 16. bis 19. März in Potsdam stattfindet. Die Kongress-Pressekonferenz findet am 17. März von 13 bis 14 Uhr statt.

Quellen
Hahlweg, K., Richter, D.: Prevention of marital instability and distrcss. Results of an 11-year longitudinal follow-up study, Behavior Research and Therapy, 2010, 48 (5), S. 377-83. doi: 10.1016/j.brat.2009.12.010
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26192131

Hahlweg, K. et al: Predicting Long-term Risk for Relationship Dissolution Using Nonparametric Conditional Survival Trees, Joumal 0f Family Psychology, 2015, Vol. 29 (6) S.807-817, doi 10.1037/fam0000134
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20053393

Kontakt für Journalisten
Deutscher Kongress fiir Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Pressestelle
Juliane Pfeiffer
Postfach 30 11 20, 70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-693
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