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Wie können Kliniken für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie aktuell während der Coronapandemie unter Beachtung der Hygienestandards arbeiten?

Erstellt von DGPM e.V. | |   Nachrichten

Konzept zur schrittweisen Öffnung der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

Patient*innen mit schweren psychosomatischen und psychischen Erkrankungen benötigen auch aktuell stationäre Psychotherapie. Patient*innen mit Essstörungen, Traumafolgestörungen, artifiziellen Störungen, Angststörungen und weiteren psychosomatischen/psychischen Störungen sind hinsichtlich der aktuellen Krankheitsschwere und des langfristigen Verlaufs sehr stark gefährdet. Psychosomatische Stationen, Kliniken und Behandlungsbereiche sollten also dringend betrieben werden mit Änderungen hinsichtlich Abläufen und Rahmenbedingungen unter Beachtung besonderer Umgangsformen und Hygienestandards im ambulanten, stationären und teilstationären Bereich.

Die von BMG, RKI und Gesundheitsämtern empfohlenen bzw. angeordneten Maßnahmen zum Schutz von Mitarbeiter*innen und Patient*innen und zur Eindämmung von Infektionsmöglichkeiten müssen beachtet und konsequent umgesetzt werden. Eine ständige Anpassung ist notwendig.

Hier erfahren Sie einige Umsetzungsoptionen, die bitte als Empfehlungen und Möglichkeiten zu verstehen sind. Wir haben dazu Konzepte verschiedener Psychosomatisch-psychotherapeutischer Kliniken und Fachabteilungen zusammengetragen:

1. Allgemeine Maßnahmen:

  • Reduktion der Anzahl der Patient*innen im klinischen Bereich zur Wahrung von Abständen
  • Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes durch Personal und Patient*innen bei zwischenmenschlichem Kontakt.
  • Wenn möglich und therapeutisch sinnvoll räumliche Trennung ambulanter/teilstationärer von stationären Patienten.
  • Zeitliche Entzerrung von gemeinsamen Gruppen- und Essenszeiten und Reduktion von Gruppengrößen.

2. Konkrete Maßnahmen

2.1. Ambulanz:

  • Telefonische Anmeldung der Patient*innen mit Erfragen von Erkältungssymptomen (insbes. trockener Husten, Halsschmerzen, Abgeschlagenheit, Fieber, Verlust des Geruchs-/Geschmackssinns, Myalgien, Rhinitis, Atemnot, passagere Diarrhoe) und Kontakten zu Covid-19 positiv getesteten Menschen. Bei entsprechend positiver Antwort kein Direktkontakt in der Ambulanz, erneute Anfrage nach 14 Tagen. Bei Krisen Zugang über speziell ausgestattete klinisch-konservative Notaufnahmen, Testung und Erstgespräch nach negativer Testung bzw. auch Verweis auf lokale Krisentelefone unter Erfragung der Suizidalität.
  • Prüfung, welche Ambulanztherapietermine auf Telefon- oder Videotermine umgestellt werden können (bei Wunsch durch Patient*innen und wenn therapeutisch sinnvoll). Prüfung in welchen Einzelfällen persönlicher Kontakt erforderlich/notwendig/
    verantwortbar.

2.2. Station:

  • Die Belegung der Station muss ggf. reduziert werden, um ausreichend Sicherheitsabstand zu haben.
  • Patienten der Station werden regelmäßig über Hygienemaßnahmen und Verhalten zur Infektionsprophylaxe informiert (Schulung, Hinweisschilder).
  • In Gruppentherapien und in Sozialräumen wird auf einen ausreichenden Sicherheitsabstand (> 1,5m) geachtet. Bei allen zwischenmenschlichen Kontakten besteht MNS-Pflicht.
  • Bei der Einzel- und Gruppenpsychotherapie ist unter strikter Wahrung der Abstandsregel das Abnehmen der Masken während der Therapie möglich und in der Regel sinnvoll (beim Eintritt und Verlassen des Raums stets wieder aufzusetzen). Da bei stationär zu behandelnden psychisch und psychosomatisch Kranken immer von einer erheblichen Krankheitsschwere auszugehen ist, die auch mit lebensbedrohlichen Zuständen einhergehen kann (Suizidalität), sollte während der Therapien die Beobachtung der Mimik möglich sein. Die Maskenpflicht würde hier die erforderliche Einschätzung kritischer Entwicklungen bei Patient*innen einschränken und nonverbale Interventionsmöglichkeiten der/des Psychotherapeut*in erschweren oder unmöglich machen. Auch Plexischeiben als „Spuckschutz“ auf dem Tisch bieten sich an.
  • Die Anzahl der Gruppentherapie-Teilnehmer muss an die  Raumgröße angepasst werden. Dies betrifft auch Spezialtherapien (Körpertherapie, Musiktherapie, Kunsttherapie usw.). Dabei werden alle Therapieformen (auch z.B. Körpertherapie) unter Wahrung der Abstandsregel möglichst kontaktlos durchgeführt. Expositionsübungen außerhalb der Klinik unter Beachtung der lokalen Vorgaben.
  • Gruppenzeiten (auch Speisezeiten) müssen so organisiert und zeitlich entzerrt werden, dass die Abstandsregeln eingehalten werden können.
  • In gemeinsam benutzten Räumen (Gruppentherapie) werden nach Nutzung erforderliche Desinfektionsmaßnahmen (Reinigung von Türklinken, Armlehnen) und Lüftungen durchgeführt.
  • Patienten, die zur stationären Aufnahme kommen, werden auf Covid-19 hinweisende Symptome, insbesondere Fieber untersucht. Anamnesefragebögen können eingesetzt werden. Im Fall einer positiven Anamnese erfolgt keine Aufnahme sondern, unter Hinweis auf die aktuelle Gefährdungslage, eine Verschiebung der Aufnahme um mindestens 14 Tage, unabhängig davon, ob der Patient tatsächlich Covid-19-positiv ist (weitere Abklärung über Hausarzt bzw. Gesundheitsamt).
  • In Abhängigkeit der Vorgaben der lokalen Behörden Führung eines Gesundheitstagebuches in den ersten 14 Tagen der stationären Behandlung bzw. über den gesamten Verlauf der teilstationären Behandlung durch jeden Patienten mit Angaben zur respiratorischen Symptomatik und zu Kontaktpersonen;  täglich 1x Temperaturmessung und Bestimmung  der Sauerstoffsättigung.
  • Stationäre Patienten mit neu auftretenden akuten Atemwegserkrankungen und/oder Fieber werden diagnostiziert (je nach lokalen Besonderheiten in COVID-19-Bereichen oder Abstrich auf Station). Sofortige prophylaktische Isolation. In Abhängigkeit vom Abstrichergebnis Entscheidung über das weitere Vorgehen. Bei positivem Abstrichergebnis Entlassung mit der Möglichkeit der Wiederaufnahme frühestens nach 14 Tagen und bei Vorlage eines negativen Abstrichergebnisses.
  • Speiseversorgung entsprechend lokaler Gegebenheiten: kann z.B. auf den Zimmern erfolgen im Tablettsystem statt Buffet, für essgestörte Patientinnen weiterhin im Speiseraum mit Essbegleitung –ebenfalls mit Abstand und für alle.
  • Belastungserprobungen stationär behandelter Patienten sind aus infektionspräventiven Gründen aktuell nicht möglich. Der Ausgang (Aufenthalt außerhalb der Station) ist teilweise noch auf das Krankenhausgelände begrenzt. Ämtergänge können an den meisten Standorten bereits gewährt werden.
  • Möglich ist der Besuch eines Familienmitglieds oder einer festen Kontaktperson auf der Station oder in der Klinik mit vorheriger namentlicher Registrierung der Besucher, der Einhaltung des Mindestabstandes von 1,5 m und der Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. In medizinisch/psychotherapeutisch zu begründenden Einzelfällen können Paargespräche durchgeführt werden. Angehörige mit Zeichen akuter Atemwegserkrankungen bzw. Fieber haben keinen Zugang zu allen Einrichtungen der Klinik.  

2.3. Tagesklinik :

Zusätzlich zu Maßnahmen im stationären Bereich:

  • Tagesklinischen Patienten, die zu Hause Erkältungssymptome und/oder Fieber entwickeln, werden instruiert, nach telefonischer Rücksprache mit der Klinik bis zum Abklingen der Symptome/des Fiebers die Behandlung zu unterbrechen. Covid-19-Diagnostik entsprechend lokaler Gegebenheiten. Die Tagesklinik ist vom Ergebnis unmittelbar zu informieren. Bei positivem Abstrichergebniss erfolgt eine Entlassung aus teilstationärer Behandlung mit der Möglichkeit der Wiederaufnahme frühestens nach 14 Tagen und bei Vorlage eines negativen Abstrichergebnisses.

Nachsorge bei Nichtaufnahme oder vorzeitiger Entlassung (potentiell) infektiöser Patienten:

Angebote telefonischer Gespräche bzw. Video (Doku und Abrechnung über die P(s)IA).

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