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25 Jahre DGPM

Erstellt von Janina Wetzstein | |   Nachrichten

Fachliche Herausforderungen durch neue Patientengruppen, Mangel an Reha-Plätzen und Ökonomisierungsdruck

Berlin, September 2017 –Die Psychosomatische Medizin steht seit Jahrzehnten in der Medizin, aber auch innerhalb der Gesellschaft für einen Einbezug der seelischen und sozialen Lebensbedingungen in das Verständnis von Gesundheit und Krankheit. Rund 10.000 Betten für stationäre Patienten und eine wachsende Zahl tagesklinischer Behandlungsplätze sowie hochdifferenzierte konsiliarische und ambulante Behandlungsangebote in Deutschland spiegeln die in den letzten Jahrzehnten enorm zugenommene Bedeutung des Fachgebietes wider. Aktuell bearbeitete wichtige Themen sind beispielsweise die Förderung der Gesprächsführung in der gesamten Medizinerausbildung sowie die Versorgung von akut und chronisch körperlich kranken Menschen, beispielsweise mit Schmerz- oder onkologischen Erkrankungen. Aber auch die Versorgung von traumatisierten Flüchtlingen und die Folgen gesellschaftlicher Entwicklungen, wie eine immer höhere Arbeitsdichte und Schnelllebigkeit, stellen die DGPM vor Herausforderungen durch neue Patientengruppen. Mit ihrer Entstehung, der aktuellen Lage und neuen Herausforderungen in der ärztlichen Behandlung befasst sich die DGPM anlässlich ihres 25-jährigen Jubiläums auch in einem Symposium und Festakt in Berlin.

Nahezu 30 Prozent der Bevölkerung leiden an psychischen und psychosomatischen Störungen. Ein wachsender Anteil der Krankmeldungen und 40 Prozent der frühzeitigen Berentungen werden durch diese Störungen verursacht. „Vor allem stressbedingte Erkrankungen nehmen im Zuge der Globalisierungsfolgen massiv zu“, sagt Professor Dr. med. Harald Gündel, Mediensprecher der DGPM aus Ulm. Hier gehen aktuell auch zahlreiche Ansätze zur Prävention psychischer und psychosomatischer Erkrankungen, beispielweise in der Familie und am Arbeitsplatz, aus diesem Fachgebiet hervor.

Als Ärzte der „Sprechenden Medizin“ und Experten für stressassoziierte Erkrankungen arbeiten Fachärzte für Psychosomatische Medizin daher am Puls der Zeit. Sie sind regelhaft ganz unmittelbar mit aktuellen Entwicklungen in der Gesellschaft befasst, sei es nun mit dem Phänomen Burn-Out durch Arbeitsverdichtung, Essstörungen, komplexen chronischen Schmerzerkrankungen oder mit Heimatverlust und Kriegstraumata, wie sie durch Flüchtlinge in Kliniken und Praxen getragen werden. Weiterhin aktuell bleiben Themen wie Flucht und Vertreibung aber auch bei älteren deutschstämmigen Patienten und ihren Nachkommen – als transgenerationale Folgen verschiedenster Traumata und deren psychotherapeutische Behandlung.

Die Psychosomatische Medizin erbringt durch die erfolgreiche psychotherapeutische Behandlung von entsprechenden Patientengruppen mit der Förderung einer nicht primär medikamentösen, sondern eigenständigen Krisenbewältigung der Betroffenen einen wichtigen Beitrag zum Zusammenhang und der Solidarität in der deutschen Gesellschaft. Um diese Aufgaben als Ärzte auch in Zukunft wahrnehmen zu können, ist die Gleichstellung der Vergütung von „sprechenden“ und „nicht-sprechenden“ Leistungen in der Akut- und Rehabilitationsmedizin ein zentrales Ziel. Eine weitere zentrale Forderung der DGPM ist eine eigene Bedarfsplanung im Fachgebiet Psychosomatische Medizin und Psychotherapie im ambulanten Bereich, damit der Facharzt entsprechend seiner spezifischen Ausbildung die ärztliche Psychotherapie in der Diagnostik, Indikationsstellung und Behandlung psychischer und psychosomatischer Erkrankungen differenziert ausüben kann.

- Bei Abdruck Beleg erbeten -

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