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DGPM NRW fordert: Schluss mit dem Etikettenschwindel.

Erstellt von DGPM NRW | |   Presse-Informationen

Psychiatrische Kliniken nennen sich „Psychosomatik“ ohne Psychosomatik zu bedienen.

Patienten mit psychischen Problemen könnte es bald noch schlechter gehen: Statt wie bisher die Wahl zwischen einer Klinik mit Schwerpunkt Psychosomatik oder Psychiatrie zu haben, könnte es in Zukunft so aussehen, dass diese beiden Richtungen für Laien gar nicht mehr unterscheidbar sind. Der Grund: Immer mehr Psychiatrische Kliniken führen „Psychosomatik“ in ihrem Namen, unabhängig davon, ob die verantwortlichen und behandelnden Ärzte überhaupt für dieses Fachgebiet ausgebildet sind. Mit schwerwiegenden Folgen.

Unnötige Medikamentenvergabe an Stelle von einfühlsamen Gesprächstherapien wären die Konsequenzen für hilfesuchenden Kranken, um nur nur ein Beispiel für die möglichen Auswirkungen dieser schleichenden Gleichmacherei zu benennen. „Schluss mit dem Etikettenschwindel“ fordert daher Dr. Norbert Hartkamp, Landesvorsitzender in NRW der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM). „Beide Bereiche, Psychiatrie und Psychosomatik haben ihre Berechtigung, das steht außer Frage, aber der Patient sollte genau wissen, in welche Hände er sich begibt.“

So haben Fachkliniken für Psychosomatik und psychosomatische Fachabteilungen an Allgemeinkrankenhäusern schwerpunktmäßig die Wechselwirkungen von psychischen und körperlichen Erkrankungen im Blick und behandeln z.B. Reizdarmsyndrome, ausgelöst durch große Stresserfahrungen oder Depressionen und Angsterkrankungen als Begleiterscheinungen von chronischer Herzschwäche. Auch seelische Auslöser und Folgen von körperlichen Erkrankungen (bspw. Ekzem, Colitis, Rheuma etc.) werden hier behandelt. Chronische Verhaltensstörungen wie Essstörungen mit ihren schweren körperlichen Konsequenzen oder Persönlichkeitsstörungen mit ihren nachteiligen Folgen für die körperliche Gesundheit finden in der Psychosomatik eine optimierte Behandlung.

Psychiatrische Kliniken dagegen sind bspw. auf Patienten mit ausgeprägten Psychosen, wahnhaften Störungen und auf Notfälle wie Selbstmordgefährdete spezialisiert, deren Behandlung oft schnelle Hilfe erfordert, mit biologischen Verfahren wie Medikamentengabe oder sozialen Maßnahmen.

Therapie in der Psychosomatischen Medizin ist durch Zeit für die Patienten und Empathie gekennzeichnet, höchstens sanft unterstützt durch Medikation. Ein kleiner, feiner Unterschied, der auch in Zukunft nicht verwischt werden sollte. Deswegen fordert der Landesverband NRW der DGPM die Landesregierung auf dafür zu sorgen dass zukünftig wieder nur dort „Psychosomatik“ draufsteht, wo auch „Psychosomatik“ drin ist.

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