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Individuum und Gesellschaft in unruhigen Zeiten

Erstellt von DGPM | |   Presse-Informationen

1200 Experten für Psychosomatische Medizin und Psychotherapietagen in Berlin

Berlin, März 2019 – Körperliches und psychisches Befinden stehen in einem engen Zusammenhang und beeinflussen sich gegenseitig – das ist die Grunderkenntnis der Psychosomatischen Medizin. Ganz wesentlich wird unsere Gesundheit aber auch von äußeren Faktoren bestimmt: Von sozialen Kontakten und den Bedingungen im Arbeitsleben etwa, aber auch von politischen und globalen Krisen. Unter dem Motto „Psychosomatik in unruhigen Zeiten“ werden Ärzte und Wissenschaftler auf dem Deutschen Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie unter anderem der Frage nachgehen, welche Folgen sich aus gesamtgesellschaftlichen Krisen für den Einzelnen sowie für das Fach der Psychosomatischen Medizin ergeben. Jenseits des Kongressmottos deckt das wissenschaftliche Programm die gesamte Bandbreite der Psychosomatischen Medizin und Psychotherapie ab: Von aktuellen Erkenntnissen zu Essstörungen, Traumafolgestörungen, nicht-stoffgebundenen Suchterkrankungen bis hin zu psychischen Störungen als Folge von primär chronischen, körperlichen Erkrankungen. Der Kongress findet vom 20. bis 22. März 2019 in Berlin statt.

„Klimawandel, Bankenkrise, Flucht- und Migrationsbewegungen und ein zunehmender politischer Populismus: Viele Menschen fühlen sich aktuell unbehaglich oder gar bedroht“, sagt Professor Dr. med. Stephan Herpertz, Kongresspräsident und Direktor der LWL-Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Ruhr-Universität Bochum. „Wenn in gesellschaftlichen Diskursen mehr und mehr polarisiert und polemisiert wird, und das Vertrauen in Institutionen, etwa Parteien, erodiert, kann sich das auch auf den Einzelnen auswirken, etwa durch eine zunehmende Verunsicherung und Ängste“, so Herpertz.

Das Kongressmotto spiegelt sich in einer Vielzahl von Vorträgen wider: So thematisieren Experten im Symposium „Muss Psychotherapie angesichts unruhiger Zeiten neu gedacht werden? Und wenn ja, wie?“ unter anderem, dass Menschen aus den Milieus der Unter- und unteren Mittelschicht spezifischen Belastungen, etwa der Angst vor Arbeitsplatzverlust, ausgesetzt sind, im Vergleich zu Menschen aus den Milieus der Mittel- und Oberschicht jedoch signifikant seltener Psychotherapien nutzen und wenn doch, diese bei ihnen weniger Erfolg haben. Mehrere Symposien thematisieren außerdem die aufgrund sprachlicher und kultureller Barrieren schwierige psychotherapeutische Versorgung traumatisierter Flüchtlinge und die hierfür geeigneten Lösungsansätze.

„Kennzeichen unserer schnelllebigen Zeiten ist auch, dass die elektronischen Medien unser Leben immer stärker beeinflussen“, sagt Kongresspräsident Herpertz. Mehrere Symposien befassen sich daher mit den neuen Medien – von der Internet- und Computerspielsucht bis hin zu den Chancen und Grenzen der Online-Psychotherapie.

Jenseits des Kongressmottos deckt das wissenschaftliche Programm das gesamte Spektrum der Psychosomatischen Medizin und Psychotherapie ab: Von den aktuellen Standards bei der Diagnostik und Behandlung von Angst- und Essstörungen, Zwangsstörungen bis hin zu neuen Erkenntnissen zu Traumafolgestörungen. „Zum Kernfeld der Psychosomatischen Medizin, der Wechselwirkung zwischen Psyche und Soma, werden wir unter anderem Symposien zur Psychoonkologie, Psychodiabetologie und Psychokardiologie anbieten“, so Herpertz. Denn psychotherapeutische Versorgungsangebote für schwer und chronisch kranke Patienten erreichen bisher nur einen kleinen Teil der Betroffenen. Auf dem Kongress sollen Barrieren identifiziert und mögliche Lösungsansätze diskutiert werden.

Der Kongress ist die gemeinsame Jahrestagung des Deutschen Kollegiums für Psychosomatische Medizin (DKPM) und der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und ärztliche Psychotherapie (DGPM) und findet vom 20. bis 22. März 2019 in Berlin statt. Jeder der drei Kongresstage schließt mit einem Gastvortrag zum Leitthema des Kongresses, zu denen auch die Öffentlichkeit herzlich eingeladen ist: Am ersten Kongresstag wird Klimaforscher Hans-Joachim Schellnhuber zur Klimakrise sprechen und wie sich die kollektive Untätigkeit beim Umgang mit dem Klimawandel erklären lässt. Die Carus-Lecture am zweiten Kongresstag hält der Bochumer Philosoph Albert Newen, der das Thema Vorurteile und Informationsblasen in den modernen Medien thematisiert. Traditioneller Schlusspunkt des Kongresses ist die Ascona-Lecture, die in diesem Jahr von dem Psychologen und Leibniz-Preisträger Onur Güntürkün aus Bochum gehalten wird. Er wird über die Evolution des Denkens referieren und der Frage nachgehen, ob intelligente Gehirne in der Evolution mehrfach und unabhängig voneinander entstanden sind.

Weitere Informationen zum Kongress sind unter http://deutscher-psychosomatik-kongress.de erhältlich.

Eckdaten und Terminhinweise
Eckdaten zum Deutschen Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

  • Gemeinsamer Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und ärztliche Psychotherapie (DGPM) e. V. und des Deutschen Kollegiums für Psychosomatische Medizin (DKPM)
  • Kongresspräsident 2019: Professor Dr. med. Stephan Herpertz, Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des LWL-Universitätsklinikums Bochum der Ruhr-Universität Bochum
  • Erwartet werden etwa 1200 Teilnehmer, darunter Ärzte, Psychologen, ärztliche und psychologische Psychotherapeuten, Pflegekräfte und Studenten
  • Das wissenschaftliche Programm erstreckt sich über drei Tage. Es umfasst insgesamt etwa 507 Programmpunkte – Vorträge, Symposien, Fortbildungen und Arbeitsgruppen – und 121 Posterpräsentationen.

Terminhinweise:
Kongress- Pressekonferenz
Termin: Mittwoch, 20. März 2019, 13.45 bis 14.45 Uhr
Ort: Saal Austen, Urania Berlin e.V.

Gastvortrag zur Kongresseröffnung
Die Klimakrise: Wahrheit und Verdrängung

Professor Dr. Dr. h. c. Hans Joachim Schellnhuber, Potsdam
Termin: Mittwoch, 20. März 2019, 17.15 bis 18.15 Uhr
Ort: Humboldt-Saal, Urania Berlin e. V.
***** öffentliche Veranstaltung, Eintritt frei. *****

Carus Lecture
Selbst- und Fremdverstehen im Lichte von Vorurteilen und einseitiger Information

Professor Dr. Albert Newen, Bochum,
Termin: Donnerstag, 21. März 2019, 18.45 bis 20.15 Uhr
Ort: Humboldt-Saal, Urania Berlin e. V.
***** öffentliche Veranstaltung, Eintritt frei. *****

Ascona-Lecture
Die Evolution des Denkens

Professor Dr. Dr. h. c. Onur Güntürkün (Bochum)
Termin: Freitag, 22. März 2019, 17.00 bis 18.30 Uhr
Ort: Humboldt-Saal, Urania Berlin e. V.
***** öffentliche Veranstaltung, Eintritt frei. *****

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