Zum Inhalt springen

Ausgabe 02/2022

Erstellt von DGPM | |   Nachrichten

Ausgabe 02/2022 der Zeitschrift „Ärztliche Psychotherapie und Psychosomatische Medizin"

Weiterlesen

 

Anmoderation M. Neises-Rudolf Heft 2/2022
Ärztliche Psychotherapie zum Schwerpunkt „Brave New Work – Arbeit als soziale Determinante psychosomatischer Gesundheit“
Herausgeber und Schriftleiter: Prof. Dr. med. Volker Köllner, Teltow, und PD Dr. med. Eva Rothermund, Ulm

Die beiden Herausgeber zeigen in ihrem Editorial den Spannungsbogen auf, den Arbeit in unserem Leben üblicherweise umfasst, trotz aller sonstiger Unwägbarkeiten in unserem Leben und in der gegenwärtigen Welt. "Dieser Spannungsbogen reicht von der Halt- und Sicherheit-gebenden Funktion der Arbeit, über ihre Alltag-strukturierende Funktion bis hin zu dem Erleben von Selbstwirksamkeit und dem sinnstiftenden Gefühl, das einem die Beschäftigung mit der Arbeit geben kann." Neben diesem persönlichen Spannungsbogen sehen die Herausgeber in der heutigen Gesellschaft eine ambivalente Haltung zur Erwerbsarbeit, „die sich zwischen Enthusiasmus für und Überlastung durch Arbeit bewegt“. „Arbeitsstress kann krank machen – keine Arbeit ebenfalls“. So werden im Editorial mehrere Fragen aufgeworfen, um nur eine hier aufzuführen: „Wann geht es darum, seine Leistung zu verbessern, sich anzupassen, selbstverantwortlich zu handeln, und wann werden aus schwierigen Arbeitsbedingungen Krankheiten gemacht? Wie gehen wir im medizinischen Versorgungssystem mit diesen Grenzen um? Welche Angebote und Modelle gibt es?

Im Schwerpunktbereich dieses AEP-Heftes werden mit neun Beiträgen Antworten auf diese und mehr Fragen gegeben:

  • Im ersten Beitrag von Franziska Kessemeier und Eva Rothermund wird arbeitsbezogene Psychotherapie in einen größeren Rahmen eingeordnet und ein Überblick gegeben, der zeigt welche Systemebenen dieses Gefüge beeinflussen und insofern therapeutisch berücksichtigt werden können.
  • HansPeter Unger beschreibt als Praxisbeispiel eine „nachhaltige achtsamkeits und arbeitsbezogene Tagesklinik“ und fordert, dass das gesamte Therapeutenteam mit den Grundlagen des RTW (Return to Work)-Prozesses vertraut sein sollte – auch in Hinblick auf die Kooperationspartner.
  • Harald Gündel und Peter Angerer gehen auf die „Zusammenarbeit der Fächer Psychosomatische Medizin und Arbeitsmedizin“ ein. Vor dem Hintergrund einer fast 20jährigen Erfahrung werden Projekte und deren Ergebnisse vorgestellt, eines ist die Etablierung der Psychosomatischen Grundversorgung für Betriebsärzte.
  • Kristin Herrmann et al. führen das Thema der „Frühen Intervention am Arbeitsplatz“ aus, im Sinne eines niederschwelligen Angebotes für Beschäftigte mit psychischen Belastungen, auch vor dem Hintergrund der multizentrischen Studie „FRIAA, Frühe Intervention am Arbeitsplatz“.
  • Ute B. Engelhardt setzt den Schwerpunkt auf „Mobbingerleben, das Psychosomatische Verständnis und die Psychodynamische Gruppenarbeit in der Psychosomatischen Rehabilitation“.
  • Volker Köllner fragt mit seinem Beitrag „Lässt sich der Begriff Burnout sinnvoll in der Psychotherapie einsetzen?“ Dazu schlägt er eine ressourcenorientierte Nutzung des Begriffs vor, der es Betroffenen ermöglicht, ihre inneren Anteile an der Entstehung der Erschöpfung in Betracht zu ziehen, und gleichzeitig Therapeutinnen und Therapeuten hilft, den Blick auf berufliche und gesellschaftliche Auslösebedingungen zu erweitern.
  • Johanna Gerste et al. legen eine „Differentialdiagnostik bei Schulangst und Arbeitsangst“ vor, beide Belastungssituationen weisen Ähnlichkeiten auf. Für die klinische Praxis beschreiben sie die Notwendigkeit einer konkreten Benennung des Phänomens sowie eine spezifische Behandlung auch unter sekundärpräventiven Aspekten.
  • Sabine Flick geht in ihrem Beitrag auf das Konzept der „Strukturellen Kompetenz“ ein und stellt die Frage nach ihrer Bedeutung „als neue Handlungsdimension ärztlicher Psychotherapie?“. Im Ansatz soll strukturelle Kompetenz erkennen helfen, dass und wie soziale, wirtschaftliche und politische Bedingungen gesundheitliche Ungleichheiten erzeugen.
  • Beate Gruner und Claudia DrechselSchlund schließlich gehen auf „Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten“ ein und beschreiben „die psychosomatischpsychotherapeutische Arbeit im Rahmen des Psychotherapeuten-Verfahrens der DGUV“, Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung.

Es folgt als Beitrag außerhalb des Schwerpunkts „Selbstverletzendes Verhalten: unsichtbare Jungen und junge Männer“ von Harry Friebel. In „Favas-Feder“ gibt Giovanni Fava Beispiele für gelungene und bereichernde Begegnungen aus ärztlicher oder Patient*innen-Perspektive, als Lernende und Lesende.

Wie immer gibt es die ausführlichen Mitteilungen aus den Fachgesellschaften: DGPM, VPK und BPM.  Diese Verbandsnachrichten wie auch das Editorial sind frei zugänglich unter folgendem Link: https://elibrary.klett-cotta.de/content/pdf/10.21706/aep-17-2-74.pdf

Den Abschluss bilden drei sehr unterschiedliche Buchbesprechungen, der Bericht von der Fachtagung Judentum und Psychotherapie sowie der Veranstaltungskalender und der Ausblick auf die nächste Ausgabe 3/2022 zum Thema: Corona und die psychischen Folgen.

Die Schriftleitung zusammen mit den Autor*innen wünscht allen Leser*Innen eine spannende Lektüre, mit Neuem und Anregendem für ihre tägliche Berufspraxis und das private Leben.

Zurück
aep-2022-02.jpg