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Ausgabe 03/2021

Erstellt von DGPM | |   Nachrichten

Ausgabe 03/2021 der Zeitschrift „Ärztliche Psychotherapie und Psychosomatische Medizin"

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Anmoderation M. Neises Heft 3/2021 Ärztliche Psychotherapie zum Schwerpunkt „Der Körper in der Psychosomatik“
Herausgeber und Schriftleiter: Prof. Dr. med. Volker Köllner, Teltow, und Prof. Dr. med. Thomas Loew, Regensburg

Im vorliegenden Heft führen die Herausgeber mit kurzem historischem Exkurs in das Thema ein: die Ärztliche Psychotherapie und der Köper.

So bestimmte vor Beginn des letzten Jahrhunderts das »Abstinenzgebot« die psychotherapeutische Haltung und gilt bis heute – sieht man von speziellen Therapieformen, wie z. B. der Körperpsychotherapie oder der angewandten EMDR-Therapie mit Tapping, ab. Vor knapp 100 Jahren datieren die Herausgeber die Geburtsstunde des Autogenen Trainings, „das besser – als Basistherapeutikum in der Psychosomatik – Autogene Therapie genannt werden sollte“. Die Frage: „Wie stellt sich nun die Lage 100 Jahre später dar?“ leitet zu den einzelnen Beiträgen über. Es folgt eine breite Palette von Themen zum Schwerpunkt „Körper in der Psychosomatik“:

  • Im ersten Beitrag stellt Martin Siepmann aus Bad Neustadt Saale Biofeedback als wichtige Behandlungsmethode nicht nur in seiner Klinik vor, die von den Patient:innen als sehr wirksam erlebt wird. Die Methode unterstützt dabei, die Kontrolle über die autonomen Funktionen (wieder zurück) zu gewinnen. Sie verbessert damit die Selbstwirksamkeitserwartung und sie erhöht die Behandlungscompliance mit positivem Einfluss auf die Arzt-Patienten-Beziehung.
  • Adak Primorardy von der Berliner Charité und Kollegen setzen den Schwerpunkt auf schwere körperliche Erkrankungen und die Notwendigkeit einer frühzeitigen psychosozialen Unterstützung. Anhand eines Fallbeispiels führen sie ein psychoedukatives und haltgebendes psychotherapeutisches Arbeiten aus mit dem die psychische Verarbeitung des körperlichen Geschehens gefördert werden kann.
  • Gerhard Sütfels, Todtmoos, erläutert die Physiologie der Atmung als komplexen Vorgang und Dyspnoe als subjektiv erlebten Zustand von Atemnot, der nur begrenzt objektivierbar ist. Am Beispiel der Dysfunktionalen Atmung bei verschiedenen Krankheitsbildern werden die Ansätze der Psychopneumonologie ausgeführt.
  • Volker Köllner und Judit Kleinschmidt, Teltow, beschreiben das Konzept der Bewegung(stherapie) als Ressource in der psychosomatischen Medizin, das wissenschaftlich gut belegt ist. Besonders auf das Ausdauertraining wird in diesem Beitrag eingegangen, auf die Integration von sportlicher Aktivität in den Behandlungsplan in der stationären und der ambulanten Psychosomatik.
  • Constanze HausteinerWiehle und Kollegen aus München gehen auf die funktionellen Körperbeschwerden in der neuen ICD11 ein, der Terminus ist dort »Bodily Distress Disorder« (deutsch voraussichtlich »Somatische Belastungsstörung«). Die zirkuläre Dynamik von Stress und Körperbeschwerden wird dabei in den Fokus gestellt. Daneben bleibt eine Parallelklassifikation bestehen mit funktionellen gastrointestinalen und neurologischen Störungsbildern. Das neue Konzept des »chronischen primären Schmerzes« wird Gegenstand des Symptom-Kapitels. Die Überschrift nimmt vorweg: „Die Richtung stimmt, aber es gibt noch viel zu tun“.
  • Christine Irtenkauf und Thomas Loew aus Regensburg zeigen mit Hilfe der Körperbildarbeit eine kunsttherapeutische Methode in der psychosomatischen Behandlung auf. Dieser nonverbale Ansatz hilft intuitiv zu erschließen, was Worte nicht ausdrücken können, und wird so ein Baustein des Heilungsprozesses. Sie ist eine Auseinandersetzung mit unbewussten symptomatischen und biografischen Aspekten. Unterlegt wird dies mit zahlreichen Bildbeispielen.
  • Drei weitere Themen stellen einen ganz aktuellen Bezug her, dabei nehmen Angelika Thönnes und Michael NollHussong aus Homburg/Saar das Thema Körper in der COVID19-Pandemie in den Blick. Sie beziehen sich auf den direkten Prozess des Sterbens und die Trauerarbeit der Hinterbliebenen aktuell unter den besonderen Bedingungen der Pandemie. Sie beschreiben Theorien, die hilfreich sein können, die Trauerarbeit mit den Angehörigen, aber auch den im Gesundheitswesen Beschäftigten weiter zu professionalisieren.
  • Harald Schickedanz, Bad Dürrheim, zeigt auf, wie psychosomatische Versorgung in der REHA funktionieren kann im Spannungsfeld zwischen Politik, Rechtsstaatlichkeit und medizinischem Sachverstand und wie es möglich ist, auch unter PandemieBedingungen erfolgreich stationäre Psychotherapie überwiegend in Gruppen und mit therapeutischer Gemeinschaft zu gestalten.
  • Matthias Liebner greift in der Rubrik OffTopic die Auswirkungen des Kostenerstattungsverfahrens auf die therapeutische Beziehung auf.

Auch in der Leitlinien-Rubrik geht es um ein »körpernahes« Thema: Die kürzlich erschienene Leitlinie zur Tabakentwöhnung fordert auch die Psychosomatiker und Psychotherapeuten, denn unsere Patienten leiden unter der Tabakabhängigkeit besonders und können bei dieser Suchtthematik von einer Kurzberatung und darauf aufbauenden verhaltenstherapeutischen und medikamentösen Interventionen in erheblichem Maße profitieren. Die Förderung des Rauchstopps sollte Qualitätsziel unserer Kliniken und Praxen werden.

In „Favas-Feder“ stellt Giovanni Fava wieder eine Fallgeschichte vor mit interessanten Einblicken in Familiendynamik und psychosomatische Krankheit.

Es folgen ein Bericht vom 124. Ärztetag und die ausführlichen Mitteilungen aus den Fachgesellschaften: DGPM, VPK und BPM.  Diese Verbandsnachrichten wie auch das Editorial sind frei zugänglich unter folgendem Link: https://elibrary.klett-cotta.de/journal/aep/16/2

Den Abschluss bilden drei Buchbesprechungen mit Bezug zum Schwerpunktthema einschließlich einer Anregung für die Urlaubslektüre.

Die Schriftleitung zusammen mit den Autorinnen und Autoren hoffen ihre Neugier geweckt zu haben und wünschen allen Leser:Innen viel Spaß bei der Lektüre.

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AEP 03/2021
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