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Ausgabe 04/2021

Erstellt von DGPM | |   Nachrichten

Ausgabe 04/2021 der Zeitschrift „Ärztliche Psychotherapie und Psychosomatische Medizin"

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Anmoderation M. Neises-Rudolf Heft 4/2021
Ärztliche Psychotherapie zum Schwerpunkt „Psychosomatische Aspekte während Schwangerschaft, Geburt und post partum“
Herausgeber und Hauptschriftleiterin: Dr. med. Wolf Lütje, Hamburg und Prof. Dr. Dr. med. Mechthild Neises-Rudolf, Leimen

Die Herausgeber dieses Schwerpunktheftes – Wolf Lütje, Präsident der DGPFG, Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe e.V. und Mechthild Neises-Rudolf, Hauptschriftleiterin – freuen sich zusammen mit allen Autoren und Autorinnen aus DGPFG-Vorstand, -Beirat und weiteren Kooperationen, dass sie in der 16jährigen Geschichte der Zeitschrift erstmalig dieses Thema in den Fokus setzen konnten. Aus psychosomatischer Perspektive stellen Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett eine somatische und psychosoziale Anpassungsleistung im Leben einer Frau und eines Paares dar. Elternschaft ist eine Herausforderung an Erwachsene, neue Bewältigungsstrategien für die Lebenssituation mit Kind zu entwickeln. Dies lässt sich in den Kontext einer breiten gesellschaftspolitischen und medizinischen Entwicklung stellen, die den Fokus auf Gesundheit rund um die Geburt und ein positives Geburtserlebnis richtet und Frauen selbst, die eine Enttabuisierung des Themas Geburt fordern.

Die Beiträge im Heft spannen einen breiten Bogen von Sexualstörungen in diesem Lebensabschnitt über das Erleben der Geburt in seinen vielfältigen Facetten bis hin zur kindlichen Entwicklung und mütterlichen Gesundheit im ersten Jahr post partum. Damit gehen die Autoren und Autorinnen auf die Belastungen unter der Geburt für die Frau, das Paar und das Kreißsaal-Team ein. Der erste Beitrag von

  • Vivian PramataroffHamburger, Münchengeht auf das häufige Problem von „Sexualstörungen während der Schwangerschaft und der postpartalen Zeit“ ein, dabei geht es um Ätiologie, Symptomatik und Therapie dieser sexuellen Störungen.
  • Wolf Lütje aus Hamburg setzt den Schwerpunkt auf „Gewaltiges und Gewalttätliches in der Geburtshilfe: Versuch eine Abgrenzung“. Er beschreibt vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Erwartungen die Enttäuschungen und Traumatisierungen, wie sie sich für die Frau unter der Geburt einstellen können und nimmt gleichzeitig die Belastungen der Geburtshelfer in den Blick.
  • Lisa Hofman, Bonn stellt in ihrem Beitrag „Die Bedeutung des Mindsets für Geburt und Wochenbett“ vor und liefert damit den theoretischen Hintergrund und Ergebnisse aus ihrem DFGProjekt. Das Konstrukt des geburtsbezogenen Mindsets untersucht die mentalen Repräsentationen (natürliches versus medizinisches Mindset) der Gebärenden und ihrer Partner, damit lässt sich ein Teil des Geburtsverlaufs vorhersagen. 
  • Mechthild Neises, Aachen stellt die Frage „Wem gehört das Baby – zur Interaktion im Kreissaal“. Von Frauen mit negativer Geburtserfahrung sind typische Belastungen bekannt: Angst, Schmerz, ein Bedürfnis nach Informationen, Mitgefühl, Fürsorge und Sensibilität. In direktem Zusammenhang damit stehen die Aufgaben, die dem KreißsaalTeam zukommen.
  • Die Beiträge von Antje Bittner und Kolleginnen, Dresden zum Thema „Frühe, bindungsfördernde ElternKind-Therapie bei psychischen Störungen in der Postpartalzeit“ und Coenen und Kolleginnen, Dresden „Postpartale psychische Störungen – Erscheinungsbilder und Auswirkungen“ – beide aus der Arbeitsgruppe von Kerstin Weidner – befassen sich mit den wichtigen Aspekten psychischer Gesundheit von Mutter und Kind. Zu einer psychosomatisch ausgerichteten Geburtshilfe gehört die positive Gestaltung der Geburt, im Sinne einer Geburt in der Familie, und die Förderung der frühen MutterKind-Beziehung.

Außerdem finden Sie in gewohnter Weise ergänzende Off-Topic-Beiträge, dieses Mal von Peter Lange, Prien, zum Thema „Wahnhafte Depression – Diagnostisches Problem von Risikopatienten“ und aus der Zusammenarbeit einer Praxis für Psychotherapie und Psychosomatische Medizin, Leer, mit dem Institut für Allgemeinmedizin der Medizinischen Hochschule, Hannover wird die „Prozessevaluation der Telefonsprechstunde in der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung“ vorgestellt.

In der Leitlinien-Rubrik stellt Volker Köllner, Teltow, die S1-Leitlinie der AWMF zum Thema Post-Covid/Long-Covid vor.

In „Favas-Feder“ stellt Giovanni Fava wieder eine Fallgeschichte von zwei Jugendlichen mit Symptomen einer Agoraphobie in Zeiten der Pandemie vor mit interessanten Einblicken in Bilder und Metaphern, die bei der Bewältigung hilfreich sind.

Es folgen ein anregender Rückblick und Erfahrungsbericht zum Deutschen Psychosomatik- Kongress 16.-18. Juni 2021, der nach zweijähriger Vorbereitungszeit als Life-Übertragung aus einem Studio durchgeführt wurde, mit erfreulich hoher Beteiligung. Wie immer an dieser Stelle lesen Sie die ausführlichen Mitteilungen aus den Fachgesellschaften: DGPM, VPK und BPM.  Diese Verbandsnachrichten wie auch das Editorial sind frei zugänglich unter folgendem Link: https://elibrary.klett-cotta.de/journal/aep/16/4

Die kommentierte Buchrezensionen beschäftigt sich mit dem Schwerpunktthema abschließend folgen der Veranstaltungskalender und der Hinweis auf die nächste Ausgabe 1/2022 zum Thema „Klimakrise und Psychosomatik“.

Zusätzlich sei noch auf die Künstlerin Camille Henrot hingewiesen, die 2021 eine Ausstellung in der Kestner Gesellschaft, Hannover zum Thema „Mother Tongue“ hatte. Sie meint, das Thema Geburt werde immer noch von verklärendem Kitsch und wissenschaftlicher Sachlichkeit dominiert, sodass Henrot die wahren Umstände des Aktes, Leben zu geben, als "tabuisiert" empfindet. Weswegen sie statt Klischees vom "Mutterglück" und wonnigen Babys lieber ihre Erfahrung von Schmerz, Angst und Überlebenskampf zeigt. Vielleicht ist es bereichernd, unser sachlich vermitteltes Wissen um solche Perspektiven zu erweitern.

Die Schriftleitung zusammen mit den Autorinnen und Autoren hoffen ihre Neugier geweckt zu haben und wünschen allen Leser:innen Leseeindrücke, die mit eigenen Erfahrungen korrespondieren und diese vielleicht erweitern. Möge die Adventszeit Raum für solche Muse-Stunden bringen und der Jahreswechsel auch in pandemischen Zeiten mit Zuversicht und Hoffnung zusammengehen.

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