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Veranstaltungen

2. September 2022 | Alte Wunden, neue Wege

Erstellt von Klinikum Ernst von Bergmann | |   Veranstaltungen

5. Potsdamer Psychosomatischer Dialog
Eröffnungssymposium des Bereichs Traumatherapie

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

Zahlen aus der Dunkelfeldforschung sind nicht neu, und dennoch immer wieder erschreckend: etwa jede*wr achte Erwachsene hat im Kindes- und/oder Jugendalter sexuelle Gewalt erfahren. Nicht wenigen dieser Überlebenden begegnen wir als Patient*innen in unserem beruflichen Kontext in Klinik oder Praxis. Häufiger wurden dann bereits unterschiedliche, meist mehrere Diagnosen von depressiven und Angststörungen über somatoforme und Essstörungen bis hin zu Persönlichkeitsstörungen gestellt und multiple Therapien durchgeführt. Die in ICD-11 und DSM-5 neu eingeführte Diagnose der komplexen posttraumatischen Belastungsstörung berücksichtigt daher - neben der posttraumatischen Kernsymptomatik - die zusätzlichen, meist tiefgreifenden Störungen in den Bereichen Emotionsregulation und Bindungsfähigkeit sowie die negativen Selbstkonzepte der Überlebenden.

Seit Bestehen der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Klinikum Ernst von Bergmann war es uns ein zentrales Anliegen, den hohen Anteil an Traumafolgestörungen unter unseren Patient*innen angemessene spezifische Therapieangebote machen zu können. Wir haben uns für die Thematik sensibilisiert, fortgebildet und nach geeigneten Konzepten gesucht. Nun, im Mai dieses Jahres, haben wir unsere Erfahrungen und Kompetenzen gebündelt und einen eigenständigen psychotraumatologischen Behandlungsbereich für Menschen mit Traumafolgestörungen eröffnet. Die Therapie orientiert sich hierbei an der dialektisch-behavioralen Therapie der komplexen posttraumatischen Belastungsstörung, die sich in Studien als gut wirksam und sicher erwiesen hat. Wir freuen uns, als eine von wenigen Kliniken bundesweit dieses innovative Behandlungsangebot anbieten zu können und damit einen Beitrag zu einer verbesserten leitliniengerechten Behandlung dieser Patient*innengruppe zu leisten.

Die Eröffnung des Bereichs wollen wir mit Ihnen nachträglich im Rahmen dieses Symposiums feiern. Aus dem Leitungsteam unserer Klinik werden Dr. Annette Hahn-Richert über neue und bewährte Ansätze in Diagnostik und Therapie der komplexen posttraumatischen Belastungsstörung sowie Robert Kapelle über das Behandlungskonzept unserer Klinik referieren. Einen Blick in die Zukunft der augmentierten Psychotherapie wird uns Prof. Stefan Röpke von der Charité gewähren. Prof. Lutz Wittmann von der IPU Berlin wird nicht zuletzt daran erinnern, dass bei aller Euphorie bezüglich neuer und innovativer Therapieansätze auch diese ihre Grenzen haben und Bescheidenheit daher für uns Helfende auch in Zukunft eine bedeutsame Tugend bleibt.

Wir freuen uns auf einen intensiven Dialog und eine spannende gemeinsame Fortbildung!

Ihr
Frank Zimmermann-Viehoff

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