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Ausgabe 02/2019

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Ausgabe 02/2019 der Zeitschrift „Ärztliche Psychotherapie und Psychosomatische Medizin"

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Anmoderation von M. Neises zu Heft 2/2019 der Zeitschrift „Ärztliche Psychotherapie – Psychosomatische Medizin und Psychosomatische Grundversorgung“

Themenschwerpunkt: Psychotherapie mit Älteren
Gastschriftleitung: Dr. med. Andreas Wolf, Bad Honnef

Der Gastschriftleiter stellt einführend die Frage nach einem Leitbild von älterer Menschen heute jenseits aller Klischees, d. h. weder der 65 Jährige, der seinen wohlverdienten Ruhestand im Fernsehsessel genießt, noch ein Kult der Alterslosigkeit und der grenzenlosen Möglichkeitsräume geben eine gute Basis für Psychotherapie mit Älteren. Vorgeschlagen wird ein Eigenwert des Alters, der sich z.B. auszeichnet durch Introspektionsfähigkeit, Gelassenheit, Generativität und die Möglichkeit jenseits einer getakteten Zeitorientierung die Lebensqualität der Langsamkeit zu entfalten.

Psychotherapie mit Älteren in Deutschland kommt nicht an der Gerontopsychosomatik vorbei wie sie von G. Heuft 1990 eingeführt wurde. Dazu werden die besonderen Aspekte aufgelistet. Im Alter stellen sich neue Entwicklungsaufgaben: funktionelle Störungen, Somatisierungsstörungen und die besondere Symptomatik psychischer Störungen zeichnen das Bild. Vor dem Hintergrund der demoskopischen Entwicklung stehen wir vor der Aufgabe, die Herausforderungen einer Zeitspanne des gesunden Alterns sowohl physisch als auch psychisch mitzugestalten.  Tatsächlich ist von den älteren Patienten nur ein sehr kleiner Anteil in ambulant psychotherapeutischer Versorgung.  Mit zunehmendem Alter fällt dieser Anteil auch weiter bis auf unter ein Prozent bei über 70-Jährigen. Dagegen ist der Anteil der über 60-Jährigen in psychosomatischen Krankenhäusern und Rehakliniken deutlich höher und zunehmend, d.h. bis 2010 betrug der Anteil 16, 3 %. Aber auch bei diesen Patienten sind die über 70-Jährigen und die Hochbetagten noch einmal deutlich unterrepräsentiert. Die Psychotherapie mit Älteren steht vor der Aufgabe altersspezifische Konzepte zu entwickeln, wie z.B. bei der Behandlung von Angst und Depression oder bei der Begleitung älterer Menschen, die eine schwere körperliche Erkrankung oder einen schwerwiegenden persönlichen Verlust erlitten haben. Dabei wird den Betroffenen das Alter oftmals unerwartet und stark ins Bewusstsein gerufen. Abgesehen davon, dass der alternde Mensch sich immer damit auseinandersetzen muss, dass seine Lebensperspektive nicht nur nicht mehr ansteigt, sondern sich begrenzt und Möglichkeiten einengen.

Eine Antwort auf diese Entwicklung ist die Einrichtung von Alternspsychotherapie -Abteilungen deutschlandweit. Dazu verweist der Gastschriftleiter auf die Rhein-Klinik in Bad Honnef, die seit mehr als 15 Jahren über den Schwerpunkt Alternspsychosomatik verfügt. Der Anteil der über 60-Jährigen in dieser Klinik beträgt ca. 40 %, bei einem Altersspektrum von 40 - 85 Jahren. Das Heft mit seinen Beiträgen hat den Anspruch, Besonderheiten sowohl in der Beziehungsgestaltung als auch in der psychotherapeutischen Behandlung Älterer darzustellen, dazu wurden die folgenden Beiträge ausgewählt:

  • Der erste Artikel von Meinolf Peters benennt die Besonderheiten der Beziehungsgestaltung in psychodynamischen Therapien mit älteren Patienten. Durchgeführt von in der Regel jüngeren Therapeuten führt dies zu einer veränderten Übertragung und Gegenübertragung, deren Auswirkungen hier vorgestellt werden.
  • Es folgt ein Artikel von Heide Glaesmer zu den Langzeitfolgen traumatischer Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg in der deutschen Bevölkerung. 40 – 50 % der älteren Menschen, d.h. vor 1946 geboren, berichten mindestens ein traumatisches Ereignis, wobei kriegsbezogene traumatische Ereignisse eine zentrale Rolle spielen. Diese Erfahrungen gehen mit erhöhten Raten depressiver und somatoformer Störungen, posttraumatischer Belastungsstörungen, aber auch körperlicher Erkrankungen einher. Es ist wünschenswert, den historisch-biografischen Hintergrund mehr in die Betrachtung einzubeziehen, um aktuelle Beschwerden auch vor diesem Hintergrund zu erkennen und zu bewerten.
  • Ein Beitrag von Eva-Lotta Brakemeier und Simon Bollmann geht auf spezifische Angebote der Verhaltenstherapie ein, und zwar auf die modifizierte Behandlung nach CBASP (Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy) für ältere Patienten. Dieses Vorgehen, ursprünglich für chronisch depressiv Patienten entwickelt, wird modifiziert für die spezifischen Anforderungen in der Beziehungsgestaltung mit älteren Patienten.
  • Boris Mitric stellt die besondere Situation älterer Migranten vor, die eine wachsenden Bevölkerungsgruppe in der Bundesrepublik repräsentieren. Die geschieht vor dem Hintergrund der aktuellen Krisengebiete der Welt und den damit verbundenen Migrationsbewegungen, die ältere Migranten vor besondere Herausforderungen stellt, welche über die Frage des Alterungsprozesses noch weit hinausgehen. Die damit verbundenen Schwierigkeiten und therapeutischen Aspekte werden in diesem Beitrag herausgestellt.
  • Schließlich werden zwei therapeutische Zugänge vorgestellt, zunächst von Dorothee Ivemeyer die Schematherapie mit älteren Patienten. Dieser Therapieansatz gilt als die Weiterentwicklung der kognitiven Verhaltenstherapie. Dabei wird mit Hilfe von emotionsaktivierenden, kognitiven und behavioralen Methoden das Leiden an früh erworbenen, maladaptiven Erlebenszuständen (Schemata) reduziert und gesundes, adaptives Erleben und Verhalten aufgebaut.
  • Schließlich wird von Renate Meyer ein Beitrag zur konzentrativen Bewegungstherapie (KBT) als körperorientierter Ansatz in der Alternspsychotherapie vorgestellt, dabei werden exemplarisch methodisches Vergehen und Wirkweise therapeutischer Intervention mit dieser Methode vertieft.
  • Das Themenheft wird schließlich ergänzt durch einen Beitrag zur Integrierten Medizin Thure von Uexkülls von Sven Eisenreich.
  • Die Fachgesellschaften geben wie immer aktuelle Informationen. Die DGPM Beilage, zusammengestellt von Paul L. Janssen und Johannes Kruse, fasst zusammen, was die Musterweiterbildungsordnung (MBBO) 2018 bringt.
  • Im Terminkalender sind die Veranstaltungen 2019 zusammengestellt und verpassen Sie nicht die nächste Ausgabe 3/2019 zur Psychosomatik im Kindes- und Jugendalter, auf die in der Vorschau hingewiesen wird.

    Zusammen mit allen Autorinnen und Autoren wünscht Ihnen die gesamte Schriftleitung eine anregende Lektüre

    Prof. Dr. Dr. med Mechthild Neises  

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AEP 02/2019
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