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Ausgabe 04/2020

Erstellt von DGPM | |   Nachrichten

Ausgabe 04/2020 der Zeitschrift „Ärztliche Psychotherapie und Psychosomatische Medizin"

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Anmoderation M. Neises Heft 4/2020 zum Schwerpunkt Schwerpunkt „Schuld und Scham“
Schriftleiter: Prof. Dr. med. Stephan Herpertz, Bochum

Thema und Inhalt des Heftes beziehen sich auf das Leitthema „Schuld und Scham“ des 27. Wissenschaftlichen Symposiums für Psychotherapie im November 2019. Die Symposien der letzten Jahre verfolgten immer mehr das Ziel, aktuelle intra- wie auch interpsychische Themen nicht nur aus der Perspektive der Psychotherapie zu diskutieren, sondern unterschiedliche Fachrichtungen zu Wort kommen zu lassen, wie z.B. die Philosophie, die Sozial-, Literatur- und Religionswissenschaften, aber auch Neurowissenschaften und Genetik. Damit soll die Möglichkeit geschaffen werden „über den Tellerrand zu schauen“ und jenseits des eigenen Arbeitsfeldes Forschungsergebnissen, Meinungen und Hinweisen nachgehen zu können.

Das vorliegende Heft bietet eine Auswahl von sieben Beiträgen zum Thema „Schuld und Scham“, das zwei wichtigste Affekte des Menschen betrifft und das in fast jeder Psychotherapie eine Rolle spielt. Dabei wird das Thema von dem Herausgeber im Editorial auch in die aktuelle gesellschaftliche Entwicklung eingeordnet: War noch vor einigen Jahren das Wissen um diese Affekte weit verbreitet z.B. im Kontext der Arbeiten von Léon Wurmser, hat es nun den Anschein, dass es im psychotherapeutischen Diskurs in den letzten Jahren in den Hintergrund getreten ist; nicht zuletzt im Zusammenhang mit den neuen Medien und deren immanenter Anonymisierung ist eine zunehmende Abwesenheit von Schuld-, Scham- und Über-Ich Themen zu beobachten. Tatsächlich treten diese Themen mit zunehmender gesellschaftspolitischer Polarisierung immer mehr in den Hintergrund, was einen gesellschaftlichen Dialog erschwert oder stellenweise unmöglich macht.

Die Beiträge im Einzelnen setzen die folgenden Schwerpunkte:

  • Der erste Beitrag von Bettina Schuhrke mit dem Thema „Zur Bedeutung der Scham und ihrer Entwicklung in Kindheit und Jugend“ geht auf die entwicklungspsychologischen Aspekte von Scham ein und wie sie im Kontext der Entwicklungsphasen zu interpretieren sind.
  • Micha Hilgers stellt die Frage: „Wer schämt sich und worüber? – Schamaffekte im klinischen Alltag“ und beschreibt damit Bedeutung der Scham in der Psychotherapie mit der Gefahr des Rückzugs aufseiten des Patienten wie auch des Therapeuten.
  • Maren Lammers und Lena Herrmann stellen zu „Scham und Schuld in der Psychotherapie
  • Arbeitsmodell und Interventionen“ einen emotionsbezogenen, multidimensionalen Ansatz zur Therapie von leidvollen Emotionen vor.
  • Maria-Sybilla Lotter betrachtet das Thema als Philosophin unter einer gesellschaftskritischen Perspektive und stellt es in einen geschichtlichen Zusammenhang unter dem Titel „Das Zeitalter von Schuld und Reue“
  • Diana Pflichthofer diskutiert unter dem Titel „Schuldlos? Schamlos? Macht…?“ den Unterschied zwischen der subjektiv-psychischen und objektiv-gesellschaftlichen Dimension. Auf dieser Basis ordnet sie Macht als mögliches Mittel der Verleugnung von Schuld und Vermeidung von Scham ein.
  • Michael Schonnebeck – „Scham und Verachtung – Evolutionspsychologie und Psychodynamik sozialer Affekte“ – beschreibt aus einer anthropologischen Perspektive Schuld und Scham als wichtige sozioregulative Affekte innerhalb eines gruppalen Binnenraums.
  • Matthias Franz – „Schamabwehr und männlicher Rollenkäfig“ – befasst sich mit männlichen Rollenstereotypien und Identitätsentwürfen, bei denen Abwehr des Schamaffektes eine große Bedeutung zukommt

In der Rubrik „Aktuelle Leitlinien aus dem Bereich Psychosomatische Medizin und Psychotherapie“ besprechen Volker Köllner et al. die S2k-Leitlinie zur Begutachtung psychischer und psychosomatischer Störungen.

Volker Köllner und Maria Bähr stellen die neue Rubrik: „Psyche oder Soma – das ist hier die Frage!“ vor.

Der eingereichte Beitrag von Martin Dornberg hat das Thema „Eindimensionalität in Psychodynamik und Psychosomatik – Warum ich Online-Lehre/-Seminaren gegenüber skeptisch bin“.

Thomas Loew zieht eine erste Bilanz zum Thema „Wie das Virus Sprechstunde, Aus-, Fort- und Weiterbildung verändern kann“.

In „Favas-Feder“ folgt eine interessante Fallgeschichte.

Darüber hinaus schließt das Heft mit einer Buchbesprechung zu Laura Spinney „1918 – Die Welt im Fieber – Wie die Spanische Grippe die Gesellschaft veränderte“ und dem Ausblick auf das Heft 1/2021 zum Schwerpunkt „Adipositas“.

Den Abschluss bilden die ausführlichen Mitteilungen aus den Fachgesellschaften: DGPM, VPK und BPM.

Die Schriftleitung zusammen mit den Autorinnen und Autoren wünscht allen Leser*Innen eine anregende Lektüre und viele Impulse für ihre Behandlungen. Das Jahr 2020 möge in Ruhe ausklingen und Optimismus für 2021 bereithalten – Bleiben Sie gesund!

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AEP 04/2020
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