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Ausgabe 03/2022

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Ausgabe 03/2022 der Zeitschrift „Ärztliche Psychotherapie und Psychosomatische Medizin"

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Anmoderation M. Neises-Rudolf Heft 3/2022
Ärztliche Psychotherapie zum Schwerpunkt „Brave New Work – Arbeit als soziale Determinante psychosomatischer Gesundheit“
Herausgeber und Schriftleiter:in: Prof. Dr. Dr. med. Mechthild Neises-Rudolf, Aachen und Prof. Dr. med. Markus Herrmann, Magdeburg

Die Herausgeberin und der Herausgeber zeigen in ihrem Editorial die Folgen der Corona Pandemie für verschiedene Bevölkerungsgruppen auf. Die COVID-19-Pandemie wurde im deutschsprachigen Raum über erste Nachrichten aus der chinesischen Provinz Wuhan bekannt und führte in Mitteleuropa im März 2020 zu Lockdown-Maßnahmen, die das soziale und berufliche Leben sehr stark einschränkten. Nach einem zunächst deutlichen Rückgang der Infektionszahlen kam es im Herbst und Winter 2020/2021 zu einer wesentlich stärkeren zweiten Infektionswelle. In deren Folge begannen Studien zu Veränderungen im psychischen Wohlbefinden und zum Umgang mit Stress und Belastungssituationen, deren Ergebnisse hier skizziert werden.

Die aktuelle Forschungslage in Deutschland zeigt Veränderungen im psychischen Wohlbefinden, dazu gehören Veränderungen des Schlafverhaltens sowie Befunde zum Umgang mit Stress und Problemen, die zu psychischen Erkrankungen führen können. Inwiefern durch die Pandemie Stress erzeugt wird, hängt sowohl davon ab, wie bedrohlich diese wahrgenommen wird als auch von der Überzeugung, ob genügend Ressourcen zur Verfügung stehen damit umzugehen. In den ersten Monaten der Pandemie war Angst der Hauptaffekt. Angst bezog sich vor allem auf Ansteckung und zwar, dass Familienangehörige oder nahestehende Personen sich infizieren können, dabei hatten etwa 45% eine erhöhte generalisierte Angst und 59% eine Covid-19-spezifische Angst.

Im Vergleich zu Jüngeren scheinen Ältere weniger belastet zu sein. Jeder Dritte unter 60 Jahren (38% der 18- bis 39-Jährigen und 40% der 40- bis 59-Jährigen) gab an, starke Probleme mit der Situation zu haben. Anders sind die Zahlen bei den über 60-Jährigen, nur 27% von ihnen fühlen sich von den Umständen sehr belastet und das, obwohl sie zur Risikogruppe zählen. Inwieweit bereits vor der Pandemie gemachte Erfahrungen mit Einschränkungen und Resilienz eine Rolle spielen, bleibt offen, auch ob diese Zahlen über die Zeit Bestand haben werden. Ein weiterer Grund für diesen Generationenunterschied mag auch daran liegen, dass die Jüngeren in der Regel in ihrer Freizeit aktiver sind. Da Reisen oder Treffen mit Freunden während des Lockdowns wegfallen mussten, war diese Zeit ein größerer Einschnitt für sie als für die Älteren.

Im deutschsprachigen Raum zeigen sich vermindertes Wohlbefinden, erhöhter Angstlevel und verstärkte Einsamkeitsgefühl bei Frauen im Vergleich zu Männern. Schließungen von Kitas, Schulen und Pflegeeinrichtungen wirken sich stärker auf Frauen aus, da sie doppelt so viel Zeit wie Männer mit der Betreuung von Kindern und Pflege von Angehörigen verbringen. Auch in der Alten- und Krankenpflege, deren Mitarbeiter:innen durch die Pandemie besonders belastet waren, arbeiten 70 bis 80 Prozent Frauen. Studien über Krankheitsverläufe und Mortalitätsraten verschiedener Bevölkerungsgruppen belegen, dass soziale Benachteiligungen kumulieren und Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Einflussfaktoren auf Gesundheit bestehen.

Für die folgenden Beiträge danken wir allen Autor:innen, die ihre Forschungsergebnisse und Erfahrungen in den Schwerpunkt einbringen. Das sind Heike Ohlbrecht und Josephine Jellen, die die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die psychisch-soziale Gesundheit und Alltagsbewältigung ausführen. Barbara Meier beschreibt mit ihrem Thema „Transfer von „Wissen und Information“, von Fakten und Fake News zu SARS-CoV-2 am Beispiel der Auswirkungen auf Schwangere, Gebärende und Geburtshelfer:nnen“ den Einfluss der Medien und die psychischen Belastungen aller, die im Gesundheitswesen tätig sind, vor ihrem Erfahrungshintergrund als Leiterin eines Schwerpunktkrankenhauses für Covid-infizierte Schwangere in Wien. Markus Herrmann zeigt die Herausforderung der COVID-19-Pandemie für die hausärztliche Versorgung, da Hausarztpraxen als erste Anlaufstellen für gesundheitliche Probleme in der Coronakrise eine Schlüsselrolle zukommt. Die folgenden beiden Beiträge vertiefen das wichtige Thema der längerfristigen Folgen einer Covid-Infektion und deren Behandlungsmöglichkeiten: Hannah Dinse et al. mit dem Thema „Post-COVID: von der Somatopsyche zur Psychosomatik“ und Volker Köllner et al. mit einem Beitrag zur „Psychosomatischen Rehabilitation des Post-COVID-Syndroms“. Das wichtige Thema der direkten und indirekten Betroffenheit von Kindern und Jugendlichen greift Harald Tegtmeyer-Metzdorf auf mit dem Thema „Immer wieder neue und lang andauernde Corona-Einschränkungen – die Folgen für Kinder und Jugendliche oder das Ende der Unbeschwertheit“. Peter Langes Beitrag stellt mit dem ThemaPsychosomatik der Suizidalität“ auch einen Bezug zur Pandemie her. Den Abschluss des Schwerpunktthemas bildet der Beitrag von Wulf Bertram und Michael Freund mit „Humor in Zeiten der Pandemie oder Lachen in schwierigen Zeiten“. Hingewiesen sei auch auf das Thema außerhalb des Schwerpunkts von Paul Janssen und Michael Geyer „Zur neueren Geschichte der Institutionalisierung der Psychosomatischen Medizin und der Psychotherapie in Deutschland“.

In „Favas-Feder“ stellt Giovanni Fava wieder eine interessante und kritisch-reflektierte Fallgeschichte vor für gelungene und bereichernde Begegnung aus ärztlicher und Patientinnen-Perspektive: „…das wirklich Wichtige ist, dass wir beide aus dem Tunnel herauskommen wollten!“.

Wie immer gibt es die ausführlichen Mitteilungen aus den Fachgesellschaften: DGPM, VPK und BPM.  Diese Verbandsnachrichten wie auch das Editorial sind frei zugänglich unter folgendem Link: https://elibrary.klett-cotta.de/content/pdf/10.21706/aep-17-3-154.pdf

Den Abschluss bilden drei Buchbesprechungen zu einem sehr interessanten Spektrum aus Psychotherapie und Psychosomatik und schließlich der Veranstaltungskalender und der Ausblick auf die nächste Ausgabe 4/2022 zum Thema: Die Psyche in der somatischen Medizin.

Die Schriftleitung zusammen mit den Autor:innen wünscht allen Leser:innen eine anregende Lektüre, die hilft, eigene Erfahrungen und die unserer Patient:innen einzuordnen und zu Antworten und neuen Fragen führt.

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