Ausgabe 01/2026
Anmoderation Ärztliche Psychotherapie 01/2026
Liebe Leserinnen und Leser,
Über viele Jahre mussten sich psychotherapeutische Verfahren, die nicht nur lange dauern, sondern zumindest in den Augen der Krankenkassenvertreter auch viel kosten, zeigen, dass und wie erfolgreich sie im Hinblick auf die Versorgung psychisch Erkrankter sind. Nachdem die Frühphase der Psychotherapieforschung hinlänglich die Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit von Psychotherapie bewiesen hat rückt aber immer mehr die Prozessforschung in den Fokus der Wissenschaft. Nun stehen neben differenzialtherapeutischen Fragen (welches Verfahren wirkt bei wem am besten?) insbesondere die Aufklärung der Wirkmechanismen und mithin des Therapieprozesses im Vordergrund.
Wie wirkt Psychotherapie – und welche Bestandteile, Interventionen, Ziele, Interaktionen und Mikroprozesse darin im Besonderen? Dies wirft zum einen ein differenziertes Licht auf die Wirkweise einzelner Verfahren, öffnet aber gleichzeitig den Blick für verfahrenübergreifende Prozessmerkmale. Zu verstehen, dass Psychotherapie nicht nur irgendwie wirkt, sondern was genau wirkt, und zu hoffen, dass wir dadurch einen vertieften Blick in die Funktionsweise der Psyche werfen dürfen – was für eine großartige Perspektive! Diesem Thema widmet sich die Ausgabe 01/2026 der Ärztlichen Psychotherapie.
Eva Bänninger-Huber geht in 2 Beiträgen der Frage nach, welche Forschungsinhalte und methodischen Vorgehensweisen in der aktuellen Psychotherapieforschung im Zentrum stehen und welche Prozesse der Emotionsregulation in psychoanalytischen Psychotherapien mit einem produktiven therapeutischen Prozess in Beziehung stehen.
Anhand der Ergebnisse der Münchner Psychotherapiestudie untersuchen Dorothea Huber und Günther Klug die Auswirkungen zweier spezifischer Veränderungsmechanismen, nämlich des Ausmaßes der Einsicht und der Umsetzung von individualisierten Therapiezielen.
Das Autorenteam Marlon Westhoff, Chantal Kasch, Andreas Reis und Stefan G. Hofmann kontrastieren in Ihrem Beitrag das traditionelle kategoriale Diagnosesystem mit dem prozessbasierten Ansatz und die jeweiligen Auswirkungen auf Fallkonzeptualisierung und Therapieplanung.
Den Prozess der Integrativen Systemischen Therapie (IST) stellt Markus W. Haun anhand eines Fallbeispiels sehr plastisch dar, ebenso wie Volker Köllner für den therapeutischen Prozess in der Verhaltenstherapie.
In den Rubriken finden Sie diesmal Beiträge von Martin Dornberg zu »Wirkfaktoren in der Traumatherapie am Beispiel der Narrativen Expositionstherapie (NET)« mit Überlegungen zu gemeinsamen Wirkfaktoren von Traumatherapien, von Kamiar Rückert über Scham und von Giovanni Andrea Fava über eine »therapieresistente Form von Panik«.
In den Buchrezensionen gibt Katharina Hof uns einen Überblick über die Aktualisierungen und Neuerungen in der neuen Ausgabe »des Uexküll« – Psychosomatische Medizin Theoretische Modelle und klinische Praxis. Vera Kalitzkus stellt uns ein Buch von Clemens Brandt zum Thema »Verstehen, Begreifen, Verändern. Tiefenpsychologisch orientierte Wertimagination in Psychotherapie und Beratung« vor. Wie immer runden die ausführlichen Verbandsnachrichten von BPM, DGPM und – das ist neu – des fusionierten Berufsverbands BDPM-VPK das Heft ab.
In der nächsten ÄP-Ausgabe 2/2026 thematisieren die Heftherausgeber Katharina Hof und Cora Weber Lebenskrisen und Umbrüche, die manchmal auch Chancen eröffnen und zu einer Neuausrichtung des Lebens anregen. Die Beiträge beleuchten, wie Psychotherapie die Menschen in der Bewältigung dieser Schwellensituation unterstützen kann.
Die Herausgeberinnen und die Schriftleitung der ÄP zusammen mit allen Autor*innen wünschen Ihnen eine spannende Lektüre und freuen sich auf Ihre Rückmeldungen.