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Ausgabe 03/2025

Ausgabe 03/2025 der Zeitschrift „Ärztliche Psychotherapie"
01.08.2025
Bundesverband

Anmoderation Dr. med. Götz Berberich

Ärztliche Psychotherapie 03/2025

Liebe Leserinnen und Leser,

Die Digitalisierung ist in aller Munde. Bei der Suche nach Verbesserungspotential in fast jedem Feld wird reflexartig nach einer Intensivierung der Digitalisierung gerufen. Was in den meisten Berufsfeldern schon Alltag ist, hält auch Einzug in die Grundschule, in die Pflege von alten Menschen, in Kunst und Musik, und eben auch in das große Feld der Psychotherapie. Spätestens seit der Corona-Pandemie beschäftigen sich nicht nur ausgewiesene Spezialisten, sondern auch die meisten Psychotherapeutinnen mit Chancen und Risiken der Digitalisierung und führen Online-Therapien durch. Gruppentherapie, Fort- und Weiterbildungsangebote und das Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen online zu führen, ist heute eine Selbstverständlichkeit. Die rasch zunehmenden Möglichkeiten der Anwendung künstlicher Intelligenz dürfte neue Möglichkeiten erschließen und wird jetzt schon als kommende Revolution gefeiert.

Daher ist es nur folgerichtig, dass die Herausgeberinnen des 3. Heftes der Ärztlichen Psychotherapie in diesem Jahr, Irmgard Pfaffinger und Katharina Giesemann, sich des Themas „Digitale Horizonte: Psychosomatische Medizin und Psychotherapie im Wandel“ annehmen, nachdem vor 7 Jahren (Ausgabe 4/2018) bereits ein Heft über „Psychotherapie online“ erschienen war. Den Herausgeberinnen ist dankenswerterweise gelungen, einen umfassenden Überblick mit 7 Beiträgen über unterschiedliche Aspekte des Themas Digitalisierung zusammenzustellen.

Die ersten Beiträge beschäftigen sich mit der Anwendung digitaler Techniken in Psychotherapie und Ausbildung. Christiane Eichenberg aus Wien vermittelt einen Überblick über die unterschiedlichen Methoden der Videotherapie und setzt sich kritisch mit den Erfahrungen der Patient*innen und Therapeut*innen auseinander. Friederike Tamm-Schaller beschäftigt sich dagegen mit den Möglichkeiten und Risiken von Online-Balintgruppen. Wie wird die Gruppe im virtuellen Raum erlebt? Auch wenn die Online-Balintgruppe eine gute Ergänzung beim Wegfall von Präsenzgruppen sein mag, können sie diese nach Tamm-Schaller jedoch nicht gleichwertig ersetzen, da wesentliche Elemente des Erlebens von Präsenzgruppen und auch einige didaktische Möglichkeiten fehlen.
Einen noch weitergehenden Ansatz beschreibt Rüdiger Zwerenz in seinem Artikel über Digitale Gesundheitsanwendungen. Diese sogenannten DiGAs sind softwarebasierte Anwendungen zur Diagnostik und Therapie von Krankheiten, also sogenannte „Apps auf Rezept“. Zwerenz beschreibt kenntnisreich die möglichen Anwendungsgebiete der DiGAs, z.B. in unterversorgten Regionen, weist aber auch auf die Hürden und Risiken dieser Technologie hin.

Soweit zu den hilfreichen Aspekten der Digitalisierung. Was aber, wenn die Online-Nutzung selbst zum Problem wird und Suchtpotential entfaltet? Solche Internetnutzungsstörungen, wie beispielsweise Computerspielsucht, suchtartige Nutzung von Pornografie oder Sozialen Netzwerken zeigen mit einer geschätzten Prävalenz von 7 % eine erstaunliche Verbreitung. Bert te Wildt hat sich mit diesen Problemen seit vielen Jahren beschäftigt und gibt auf der Grundlage der aktuellen S1-Leitlinie einen Überblick über psychotherapeutische Behandlungsoptionen.

Doch auch jenseits der pathologischen Internetnutzung lauern Gefahren, auf die die beiden folgenden Artikel hinweisen: Jürgen Thorwart beschreibt in seinem Beitrag zur „Digitalisierung: Psychotherapie im Spannungsfeld zwischen (un)begrenzten Möglichkeiten, Gefahren und ethischen Überlegungen“ die gesellschaftlichen Veränderungen des Umgangs mit personenbezogenen Daten und der digitalen Privatsphäre. Die elektronische Patientenakte, die Videotherapie oder andere digitale Anwendungen mögen durchaus hilfreiche Entwicklungen im Gesundheitssystem ermöglichen, was machen sie jedoch mit dem informationellen Selbstbestimmungsrecht und welche ethischen Implikationen ergeben sich daraus? Und wie können sich praktisch tätige Therapeut*innen vor Datendiebstahl oder anderen Hackerangriffen schützen? Hierzu gibt Christoph Meyer ganz praktische Hinweise, indem er die IT-Sicherheitsrichtlinie der KBV darlegt.
Manche von Ihnen werden bereits erste Erfahrungen mit künstlicher Intelligenz, vielleicht auch spielerisch, gesammelt haben. Fachleute erwarten sich von dieser Technologie neuerlich einen Quantensprung, werden jedoch auch nicht müde, davor zu warnen. Martin Steppan gibt uns einen spannenden Überblick über die zu erwartenden Anwendungsmöglichkeiten von KI in der Psychotherapie, sodass wir uns als Psychotherapeut*innen frühzeitig auf diese „schöne neue Welt“ einstellen können.

In den Rubriken finden Sie Beiträge von Giovanni Andrea Fava über „Baumeister und Raubtiere“, von Kamiar K. Rückert über Dankbarkeit und schließlich von Rosa Butzlaff über ihre Erfahrungen beim Deutschen Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.

In den Buchrezensionen wird das Thema Digitalisierung noch einmal aufgegriffen: Irmgard Pfaffinger rezensiert ein Buch von Klaus Bernhardt: „Der KI-Therapeut. Psychische Probleme mit künstlicher Intelligenz überwinden – KI-Tools als erste Hilfe für Betroffene“. Zudem stellt sie das Werk von Alexa Kupferschmidt und Volker Köllner vor: „Post-Covid erfolgreich therapieren. Manual zur Patientenschulung und Unterstützung der Krankheitsverarbeitung.“ Ein historisches Thema greift Dominik Lutz in seiner Rezension des Buches „Pierre Janet und die Psychotherapie an der Schwelle zur Moderne“ von Esther Fischer-Homberger auf. Wie immer runden die ausführlichen Verbandsnachrichten von BPM, DGPM und VPK das Heft ab.

Schließlich ist es den Herausgebern der Ärztlichen Psychotherapie nicht nur eine traurige Pflicht, sondern auch ein wirkliches Anliegen, an unseren Kollegen und langjährigen Mitherausgeber der Ärztlichen Psychotherapie, den leider viel zu früh verstorbenen Wulf Bertram zu erinnern.

In der nächsten ÄP-Ausgabe 4/2025 wenden sich die Heftherausgeber Volker Köllner und Harald Gündel als ausgewiesene Spezialisten dem inzwischen großen Thema Post-Covid Syndrom und damit einem Krankheitsbild von großer öffentlicher Aufmerksamkeit zu.

Die Herausgeberinnen und die Schriftleitung der ÄP zusammen mit allen Autor*innen wünschen Ihnen eine spannende Lektüre und freuen sich auf Ihre Rückmeldungen.

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